Sich kümmern wird belohnt: Bei ESG-Anlagen in den Schwellenländern ist aber ein aktiver Ansatz wichtig

Bei der Geldanlage werden zunehmend auch die Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung berücksichtigt. Einer weltweiten Erhebung von BNP Paribas zufolge stieg der Anteil der Vermögensverwalter, die diese Aspekte in ihren Investmentprozess einbeziehen, zwischen 2017 und 2019 von 53% auf 62%.


 

Gonzalo Pángaro, Portfoliomanager der Emerging Markets Equity Strategy bei T. Rowe Price, sieht im Thema ESG einen wichtigen Bestandteil seiner Anlagestrategie. „Anleger erfahren auf diese Weise mehr über die Qualität eines Unternehmens, und sie werden auf relevante Risiken für die Nachhaltigkeit seines langfristigen Wachstums aufmerksam gemacht“, erläutert er.

Auf der Hut vor dem Index

Passive Fonds tun sich mit einem ESG-Ansatz dagegen schwer, da sie den Index abbilden müssen – ohne Berücksichtigung des ESG-Verhaltens oder etwaiger ESG-Risiken eines Unternehmens. Zwischen einzelnen Firmen gibt es aber große Unterschiede beim Umgang mit dem Thema ESG.

Die Einbeziehung von ESG-Prinzipien in einen aktiven Ansatz bedeutet, dass diese Herausforderungen offen angegangen werden. Laut Ernest Yeung, Portfoliomanager bei T. Rowe Price, trifft dies besonders in Schwellenländern zu, wo das Wertpotenzial so genannter vergessener Unternehmen oft nicht erkannt beziehungsweise nicht vollständig verstanden wird. „Unter Anlegern ist immer noch die Vorstellung verbreitet, die Schwellenländer wären beim Thema ESG nicht ganz auf der Höhe. Gerade durch dieses holzschnittartige Bild eröffnen sich für aktive Anleger jedoch interessante Möglichkeiten. Indem sie fehlbewertete Aktien aufspüren, bei denen hohe oder sich verbessernde ESG-Standards vom Markt nicht ausreichend gewürdigt werden, können sie von langfristigen Kurssteigerungen profitieren.“

Bei T. Rowe Price wird beispielsweise die ESG-Analyse durch ein hauseigenes „Responsible Investor Indicator Model“ (RIIM) unterstützt, das systematisch die Profile von mehr als 14.000 Unternehmen proaktiv analysiert. Im Umweltbereich berücksichtigt das Modell etwa Aspekte des Klimawandels, die über die Emission von Treibhausgasen hinausgehen. „In der öffentlichen Debatte steht zwar Kohlendioxid im Mittelpunkt, und Daten dazu sind weithin verfügbar, doch wir halten es für kurzsichtig, die Analyse auf diesen einen Faktor zu verengen“, sagt Yeung. „Bei vielen anderen Faktoren, die ebenfalls zum Themenkomplex Klimawandel gehören – wie Zugang zu Wasser, örtliche Umweltbelastungen und Abfallentsorgung – ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie zu Katalysatoren für regulatorische Veränderungen werden.“

Yeung fügt hinzu, dass bei den meisten Unternehmen unterschiedliche Aspekte des Geschäftsmodells vom Klimawandel betroffen sind, und zwar auf teils gegensätzliche Weise. Nehmen wir Lebensmittelunternehmen als Beispiel: Sie profitieren einerseits möglicherweise von der Nachfrage der Verbraucher nach organischen Produkten, können andererseits jedoch in Schwierigkeiten geraten, wenn eine Dürre ihre landwirtschaftlichen Lieferketten beeinträchtigt. Halbleiterhersteller sind hingegen Nutznießer der Digitalisierung, und die ist zu einem erheblichen Teil von Energieeffizienz abhängig; mit operativen Risiken sind sie wiederum bei den Strom- und Wasserressourcen konfrontiert. „In diesen Fällen geht es darum zu verstehen, wie ein Unternehmen damit umgeht, wie es konkret vom Klimawandel betroffen ist, und inwieweit sein Geschäftsmodell auf eine klimafreundlichere Wirtschaftsweise mit geringerem CO2-Ausstoß umgestellt werden kann“, so Yeung.

Anders als bei passiven Produkten, die tendenziell ignorieren, wie gut ein Unternehmen ESG-Kriterien erfüllt, solange es dies überhaupt tut (und die entsprechenden Kästchen angekreuzt werden können), berücksichtigen aktive Strategien darüber hinaus, in welchem Maße ESG-Erfordernisse beachtet werden.

Aktive Fonds können somit fundierte Entscheidungen in ESG-Grauzonen treffen, also dort, wo das Bild nicht auf Anhieb klar ist. Wenn ein Unternehmen beispielsweise über ein gut durchdachtes ESG-Konzept verfügt, aber erst kürzlich diesen Weg eingeschlagen hat, kann es möglicherweise noch nicht mit beeindruckenden ESG-Merkmalen punkten. Das Potenzial ist jedoch vorhanden. Von solchen Gelegenheiten, die von passiven Anlagestrategien oft gar nicht erkannt werden, können aktive Strategien profitieren.

Daten und Scoring bleiben die größten ESG-Hürden

Ein aktiver ESG-Ansatz ist in den Schwellenländern jedoch nicht ohne Tücken. Beispielsweise kann der begrenzte Datenzugang zu Fehlbewertungen führen. ESG-Bewertungen, die ein und demselben Unternehmen erteilt werden, können deshalb je nach verwendeten Daten erheblich voneinander abweichen. Entscheidend ist im Endeffekt die Qualität der Daten, die in den Ratingprozess einfließen.

„Besonders in den Schwellenländern kann ESG-Research inkonsistent sein. Daten externer Anbieter sind zum großen Teil nicht aktuell oder beziehen sich auf die Vergangenheit“, gibt Yeung zu bedenken. „Die Möglichkeit zur Nutzung zeitnaher ESG-Analysen, bei denen ja die Wesentlichkeit der betrachteten Faktoren im Fokus steht, ist bei Anlageentscheidungen eine wichtige Ergänzung, und sie stellt zugleich ein Unterscheidungsmerkmal dar.“

Das Scoring von ESG-Faktoren ist ein weiteres Problemfeld. Einfach formuliert läuft das Anliegen von ESG-Investoren doch darauf hinaus, „gutes Geld zu verdienen und Gutes tun“. Während Portfoliomanager jedoch in der Regel diverse Kriterien zur Verfügung haben, um die ESG-Kompatibilität ihrer Investments zu beurteilen, kann es recht schwierig sein, die Komponente „gutes Geld verdienen“ in Zahlen zu fassen.

Es gibt allerdings Möglichkeiten, den relativen Wert von ESG-Kennzahlen zu messen. Durch den Vergleich von ESG-Bewertungen mit einem Index, das „Benchmarking“ von Portfolios innerhalb einer Vergleichsgruppe oder die Nutzung einer früheren persönlichen Performance als Referenz können aktive Fonds ihre ESG-Erkenntnisse durchaus quantifizieren.

ESG-Investing mag im Mainstream angekommen sein, doch in den Schwellenländern steckt dieser Ansatz noch in den Kinderschuhen. Nach Ansicht von Experten wird sich dies jedoch bald ändern. Yeung sagt: „Nach unserer Erfahrung wächst das Interesse von Unternehmen in Schwellenländern an der Thematik – zum Teil sogar mehr als bei Unternehmen in Industrieländern.“

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