Wie kann China auch im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus eine wachstumsstarke Wirtschaftsnation bleiben?

Es ist kein Geheimnis, dass China einer Reihe von Problemen gegenübersteht.

Es ist kein Geheimnis, dass China einer Reihe von Problemen gegenübersteht. Dazu zählen insbesondere die Abschwächung des Wachstums, eine hohe Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung, eine alternde Bevölkerung und die im Handelskonflikt mit den USA verhängten Zölle, die weiter in Kraft sind. Zudem hatte das Jahr der Ratte – es steht im chinesischen Kalender traditionell für Wohlstand – einen denkbar schlechten Auftakt. Durch den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist das Wirtschaftswachstum kurzfristig stark zurückgegangen.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verfügt jedoch über eine Reihe von Instrumenten, die sie gegen diese Rückschläge ins Feld führen kann. Mit ihrer Hilfe, so die Prognose von Deloitte, kann sich die chinesische Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2020 von diesem jüngsten Schock erholen. Gerechnet wird mit einem V-förmigen Konjunkturverlauf.[1]

Wenn wir über chinesische Aktien reden, sind Kennziffern wie die Haushaltseinkommen und das Vermögen der privaten Haushalte jedoch wichtiger als das reale BIP-Wachstum. Das ist eine gute Nachricht für Aktienanleger, denn der Aufstieg von immer mehr Chinesen in die Mittelschicht dauert an. Laut einem Bericht von Herald van der Linde, Head of Equity Strategy (Asia-Pacific) bei HSBC, leben schon heute 47 Millionen Chinesen in Haushalten mit einem Jahreseinkommen von über 50.000 USD.[2]

Wenli Zheng, regionaler Portfoliomanager bei T. Rowe Price, geht davon aus, dass sich diese Zahl in den nächsten 20 Jahren mehr als vervierfachen wird. Für Aktienanleger ist der Konsum in China daher „eines der weltweit spannendsten Themen“. Die Auswirkungen von Zöllen hält Zheng dabei für relativ gering, denn die Gewinne der börsennotierten chinesischen Unternehmen werden zum weit überwiegenden Teil im Inland erwirtschaftet.

Die Ausbreitung des Coronavirus im Jahr 2020 stellt natürlich auch China vor enorme Herausforderungen. Edward Moya, Senior Market Analyst bei OANDA, glaubt jedoch, dass sich die Aufregung um das Virus früher oder später legen wird. Ist dieser Punkt erreicht, werden Anleger ihren Blick auf die langfristige Transformation des Landes zu einer auf konsumfokussierten Volkswirtschaft richten.  

„China wird auch im nächsten Jahrzehnt beim Wachstum in der ersten Liga mitspielen, und wenn Peking seine Kapitalmärkte öffnet, werden viele Anleger den Wunsch nach einem stärkeren Engagement haben“, sagt Moya.

Wachsende Mittelschicht

In den letzten zehn Jahren hat das Wachstum in China an Fahrt verloren. Grund dafür war der bewusste Umstieg von einem Wirtschaftsmodell, das auf den Ausbau der Industrie und den Export von Billigprodukten setzte, hin zu einer Wirtschaft, die hauptsächlich von inländischem Konsum getrieben wird. Nach schwindelerregenden zweistelligen Wachstumssraten sank das BIP-Wachstum auf einen verträglicheren Wert von etwa 6%. 

Chris Kushlis, Emerging Market Sovereign Analyst bei T. Rowe Price, erklärt: „Peking begann ab 2006 mit seinen Bemühungen für einen Umbau der chinesischen Wirtschaft. Angestrebt wurde ein Wechsel von einem vornehmlich exportgestützten zu einem stärker auf die Binnenwirtschaft ausgerichteten Modell.  Die chinesische Regierung will auf diese Weise ein nachhaltigeres langfristiges Wachstum erreichen. Solange die Transformation andauert, dürfte die Wachstumsrate weiter sinken.“

Heute wird das Wachstum in China in erster Linie von der anhaltenden Expansion der wohlhabenden Mittelschicht getragen. Das Pro-Kopf-Einkommen ist innerhalb des letzten Jahrzehnts auf das Zehnfache gestiegen.[3] Im Jahr 2018 entfielen bereits 76% des chinesischen BIP-Wachstums auf den Konsum[4] – 2013 waren es erst 47%.

Von dieser Entwicklung haben vor allem Branchen wie Bildung, Tourismus, Versicherungen, Automobile und andere konsumorientierte Sektoren profitiert.

Ein weiterer Bereich mit exponentiellem Wachstum ist E-Commerce – laut eMarketer wird Chinas Marktanteil beim Online-Handel bis 2022 auf 63% steigen.[5] E-Commerce-Riesen wie Alibaba, dessen Online-Umsätze und Gewinne mittlerweile höher sind als die aller US-Einzelhändler zusammen, können sich die Hände reiben.

Antworten auf Probleme der alternden Bevölkerung findet unterdessen Chinas Pharmabranche. Diese ist schon jetzt die zweitgrößte der Welt und dürfte weiter wachsen, auch dank staatlicher Fördermaßnahmen.[6]

Mit dem Umbau der Wirtschaft ging eine Abkehr von den Staatsbetrieben einher. Mittlerweile entfallen auf den privaten Sektor 85% der Beschäftigung in den Städten, 70% der Investitionsausgaben und 60% des Bruttoinlandsprodukts. Im Zuge dieser Entwicklung rücken auch die Themen Unternehmensführung, Transparenz und Qualität des Managements stärker in den Blickpunkt.

Verbesserter Zugang zu Chinas Börsen

Zur gleichen Zeit hat China in den letzten Jahren begonnen, seine Börsen für ausländische Anleger zu öffnen. So wurden chinesische „A-Aktien“ im Juni 2019 in die FTSE-Russell-Indizes für internationale Aktien aufgenommen. Dies und das 2014 gestartete Shanghai-Hong Kong-Stock-Connect-Programm sowie das „Bond Connect“-Programm von 2017 sorgen für mehr ausländische Direktinvestitionen in einem Land, das für internationale Anleger in der Vergangenheit nur schwer zugänglich war.

Im Jahr 2019 stiegen die ausländischen Direktinvestitionen im Vorjahresvergleich um 5,8% auf rund 137 Mrd. USD[1] – China war damit zum weltweit zweitwichtigsten Zielland solcher Kapitalflüsse geworden. Mit 3% ist trotzdem nur ein extrem geringer Teil der A-Aktien in ausländischer Hand.[2] Zum Vergleich: In anderen asiatischen Ländern wie Taiwan und Südkorea sind es an die 40%.[3] Das Potenzial für künftige Geldzuflüsse ist somit enorm.

Gebremster Schuldenanstieg

Unterdessen sieht sich die People’s Bank of China (PBoC) in der Pflicht, der Wirtschaft beizuspringen. Im vergangenen Jahr hatte sie einen Schwenk weg von einer expansiven Geldpolitik hin zur Stützung der Konjunktur mit fiskalpolitischen Mitteln vollzogen. Als Reaktion auf die Coronavirus-Epidemie hat die Notenbank eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt, die der Wirtschaft helfen sollen.

Zur gleichen Zeit misst Peking einer finanziellen Konsolidierung seit einiger Zeit höhere Priorität bei – die wachsende Schuldenlast des Landes soll reduziert werden. „Kürzlich haben die Behörden Schritte unternommen, um die rasant steigende Verschuldung einzudämmen. Dabei gelang es zumindest, das Tempo des Schuldenwachstums zu bremsen, ohne größere Verwerfungen an den Finanzmärkten auszulösen“, konstatiert Kushlis. „Es gibt noch mehr zu tun, aber Fortschritte sind immerhin erzielt worden.“ Auf jeden Fall hat die PBoC viele Waffen in ihrem Arsenal, mit denen sie die chinesische Wirtschaft im Jahr 2020 und darüber hinaus steuern und ihre Stabilität sicherstellen kann.


[1] Quelle: https://tradingeconomics.com/china/foreign-direct-investment

[2] Quelle: Goldman Sachs Research, Mai 2019

[3] Quelle: Goldman Sachs China Research, Juni 2019


[1] Quelle: https://www2.deloitte.com/us/en/insights/economy/asia-pacific/china-economic-outlook.html 

[2] Quelle: https://www.gbm.hsbc.com/insights/global-research/asia-gets-older-but-richer

[3] Quelle: DWS Focus on: China’s Economy and Capital Markets

[4] Quelle: https://www.chinainternetwatch.com/28096/gdp-2018/

[5] Quelle: https://www.emarketer.com/newsroom/index.php/2019-china-to-surpass-us-in-total-retail-sales/

[6] Quelle: https://www.businesswire.com/news/home/20200210005340/en/Growth-Insights-Chinas-Pharmaceutical-Industry-2020-2025

[7] Quelle: https://tradingeconomics.com/china/foreign-direct-investment

[8] Quelle: Goldman Sachs Research, Mai 2019

[9] Quelle: Goldman Sachs China Research, Juni 2019

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